Eltern möchten ihre Kinder vor Krankheiten schützen und reagieren oft besorgt, wenn Symptome auftreten. Doch einige Kinderkrankheiten werden häufiger überbewertet, als es medizinisch notwendig wäre. Dieser Beitrag beleuchtet, welche Erkrankungen meist harmloser verlaufen als befürchtet und wie Eltern einen realistischen Umgang damit finden können. Dennoch gilt: Bei Unsicherheit oder anhaltenden Beschwerden sollte immer ein Arzt konsultiert werden.
Drei-Tage-Fieber – Fieber ohne Grund zur Panik
Das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) tritt bei Kleinkindern häufig auf und führt zu plötzlich auftretendem, hohem Fieber, das nach drei Tagen von einem Hautausschlag abgelöst wird. Obwohl viele Eltern alarmiert sind, ist die Erkrankung in den meisten Fällen harmlos.
Es wird durch humane Herpesviren 6 und 7 ausgelöst. Typische Symptome sind hohes Fieber bis 40 °C, das nach einigen Tagen von einem feinen Hautausschlag abgelöst wird. Meist heilt die Krankheit von selbst aus. Eine Studie des National Institute of Health (NIH) zeigt, dass über 90 % der Fälle innerhalb von fünf Tagen komplikationslos abheilen. Dennoch sollte ein Arzt konsultiert werden, wenn das Fieber länger als drei Tage anhält oder das Kind stark beeinträchtigt wirkt.
„Nicht jede Temperaturerhöhung ist eine Krankheit – Fieber ist oft nur ein Zeichen, dass das Immunsystem arbeitet.“ – Dr. Michael Schröder, Kinderarzt
Hand-Fuß-Mund-Krankheit – Mehr Angst als nötig
Diese hochansteckende, aber meist harmlose Viruserkrankung wird von Eltern oft als schwerwiegender eingestuft, als sie tatsächlich ist. Die typischen Bläschen an Händen, Füßen und im Mund klingen in der Regel innerhalb von sieben bis zehn Tagen von selbst ab. Erreger sind Coxsackie-Viren, die neben Fieber und Halsschmerzen auch eine Bläschenbildung verursachen können.
Laut einer Untersuchung der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gibt es kaum schwere Verläufe. In seltenen Fällen kann es jedoch zu Komplikationen wie einer Gehirnhautentzündung kommen, weshalb bei anhaltenden Symptomen ein Arztbesuch ratsam ist.
Pseudokrupp – Oft weniger dramatisch als er klingt
Ein bellender Husten in der Nacht kann Eltern in Panik versetzen. Pseudokrupp tritt meist bei Kleinkindern auf und wird durch Viren ausgelöst. Die Atemwege schwellen leicht an, was zu dem typischen Husten führt. Trotz der alarmierenden Geräusche bleibt die Erkrankung in den meisten Fällen ungefährlich.
Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sind über 80 % der Pseudokrupp-Fälle mild und benötigen keine spezielle Behandlung. Sollte das Kind jedoch anhaltende Atemnot haben oder sich der Zustand verschlechtern, ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
Erkältungen und Mittelohrentzündungen – Häufiger als gefährlich
Kinder sind besonders anfällig für Erkältungen und Mittelohrentzündungen, was Eltern oft Sorgen bereitet. Allerdings sind diese Infektionen meist unkompliziert und klingen von selbst ab. Durchschnittlich zehn Infekte pro Jahr sind im Kleinkindalter normal. Mittelohrentzündungen hingegen heilen in den meisten Fällen ohne den Einsatz von Antibiotika aus. Eine groß angelegte Studie der World Health Organization (WHO) zeigt, dass Antibiotika in 70 % der Mittelohrentzündungen überflüssig sind. Dennoch sollte ein Arzt konsultiert werden, wenn starke Schmerzen, hohes Fieber oder eine langanhaltende Verschlechterung auftreten.
Magen-Darm-Infekte – Belastend, aber meist harmlos
Eltern sind oft besorgt, wenn ihr Kind an Erbrechen und Durchfall leidet. In den meisten Fällen wird ein Magen-Darm-Infekt jedoch durch Viren verursacht und klingt innerhalb weniger Tage ab.
- Erreger: Noroviren, Rotaviren
- Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, gelegentlich Fieber
- Behandlung: Flüssigkeitsausgleich, leichte Kost
Eine Studie der Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie (ESPGHAN) betont, dass Flüssigkeitszufuhr der wichtigste Faktor zur Behandlung ist. Besonders Kleinkinder haben ein erhöhtes Risiko für Dehydrierung, weshalb ein Arztbesuch notwendig sein kann, wenn das Kind über längere Zeit keine Flüssigkeit bei sich behalten kann.
Ein gelassener, aber aufmerksamer Umgang ist wichtig
Viele vermeintlich gefährliche Kinderkrankheiten verlaufen in Wirklichkeit mild und heilen von selbst aus. Ein informierter Umgang mit Fieber, Husten oder Ausschlägen kann unnötige Sorgen reduzieren. Dennoch sollten Eltern auf Warnsignale wie starke Atemnot, Austrocknung oder hohes, nicht senkbares Fieber achten. Bei Unsicherheiten ist ein Arztbesuch immer die beste Entscheidung, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen und dem Kind eine sichere Genesung zu ermöglichen.
Eltern sind oft unsicher, wie sie bei typischen Kinderkrankheiten reagieren sollen – eine hilfreiche Übersicht über die drei häufigsten Kinderkrankheiten und den richtigen Umgang damit finden Sie hier.
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